Sonntag, 17. August 2008

Liebes Tagebuch… von paul

Guten Tag lieber Leser,

heute habe ich eine kleine Überraschung für dich! Ich habe vor ein paar Wochen an dem Gründerwettbewerb der Wirtschaftswoche teilgenommen und leider, gänzlich wider meiner Erwatungen *grummel*, leider verloren. *snief*

Diese Entscheidung ist zwar ärgerlich, und glaub mir, eine komplette Fehlentscheidung die wieder einmal meine Theorie nährt, dass die ganze Welt sich gegen MICH und MICH ALLEIN verschworen hat (Schämt Euch!), hat aber auch so sein Gutes!

Ich musste für diesen Wettbewerb einen kleinen Tagebucheintrag schreiben, der möglichst meine Eindrücke von der Online-Welt wiederspiegeln sollte. Nun, und da ich persönlich vermutlich eines der hoffnungslos überfordertsten Mitglieder dieser Branche bin und gleichzeitig trotzdem so meine Erfahrungen machen konnte, dachte ich mir, dass ich den Eintrag auf jeden Fall mit euch teilen sollte. Vielleicht wird es ja als ein Lehrstück in schulbuchartigen Archiven für zukünftige Generationen aufbewahrt… und wenn nich, dann dient es nun ja doch meiner und Eurer Belustigung ;)

So und nun ohne weitere Ablenkungen zum Eintrag der Woche/Monat/Jahres/Jahrzent/uhh Dezent/ uhhh Cent…. wie hieß das gleich,…. uhh… (P.S.: Viele Grüße, Euer Paul Schreiberling Piper) :

Sonntag, 29. Juni 2008

Es war ein hartes erstes Jahr. Schon seltsam, aber irgendwie hat man sich die Selbstständigkeit dann doch anders vorgestellt. Die Presse ist voller Erfolgsgeschichten: mymuesli, StudiVZ, smava…. Und man selbst?

Seit Anfang des Jahres hat sich die Stimmung in der Branche stark geändert – allgemeine Euphorie an Unternehmen ist starker Kritik und Meldungen über eBay-Exits gewichen. Selbst die ehemals Hochgelobten ernten nun Zweifel und Hohn. Manchmal, nur manchmal, denkt man selbst kritisch über seine Idee – ob die andauernde Nörgelei von unbekannten Bloggern, Bekannten und ehemaligen Klassenkameraden gerechtfertigt ist – die Risiken der Selbstständigkeit sich auszahlen? Man weiß es nicht. Schweiß sitzt einem dann im Gesicht und die eigenen Zahlen – gut, aber keine Rakete.

Es war ein hartes erstes Jahr… und man musste kämpfen. Erst mit Gesetzestexten, Finanzamt und Familie. Die eigene Idee? Ohne Jobgarantie, schwer zu verstehen und technisch kompliziert. Dann mit Veranstaltern, Pressevertretern und Bloggern. Die eigene Idee? Zu klein, schlecht kommuniziert und ohne Relevanz. Und zu guter Letzt mit Finanzgebern, Business Angels und Venture Capitalists. Die eigene Idee? Zu groß für Business Angels, zu klein für Venture Capitalists und ohne Proof of Concept. Die negative Kritik tut weh…

Doch dann, ganz plötzlich, erwischt man sich wieder mit einem kleinen Lächeln an seinem Rechner sitzen. Ein Skype-Fensterchen poppt auf – ein bislang Unbekannter ist über die Website gestoßen und begeistert. Woher man die Kraft nehme alles im Alleingang durchzuziehen und wie mutig es sei sich eBay, Hitflip und Kijiji zu stellen! Die Zeit sei reif für ein neues System, das sich auf das Wesentliche konzentriert und Leuten das freie Feilschen ermögliche.

Man will antworten, aber hält inne. Neue Gedanken schießen einem durch den Kopf. Man könnte ja vielleicht die Startseite noch stärker hervorheben, den Demo-Knopf noch stärker in die Mitte rücken – und dann die Texte, die irgendwie immer noch nicht präzise genug wirken… alles neu! Wie immer, gleich mal Jenni anrufen. Die Frontpage neu? Ja, hat sie sich auch schon gedacht – irgendwas passt noch nicht… wenn man nur wüsste was.

Und dann hat man sie wieder vor sich. Die Seite, der man über ein Jahr seines Lebens gewidmet hat. Die Idee, die einen noch während des Studiums nicht mehr losgelassen hat. Man öffnet seine Entwickler-Werkzeuge und fängt an auszuprobieren. Der Balken für die Überschriften? Eine kräftigere Farbe wäre toll, aber lenkt wahrscheinlich zu stark vom Inhalt ab – dann lieber mit einem leichten Farbverlauf arbeiten. Die Anzeige für Kategorien fällt noch nicht gut genug auf und die Gegenstandsbilder sind noch zu tief – jeder der nicht scrollen mag, sieht die gar nicht. Was meint Jenni dazu? Also alles anders anordnen. Und so sitzt man bis spät in die Nacht, grübelt, denkt, designt, ändert…

Der Wecker klingelt und reißt einen unsanft aus dem Schlaf. Der Kongress in Berlin beginnt um 11, jetzt ist es 7, es könnte knapp werden. Angekommen, dieselben Leute wie ein paar Tage zuvor in Hamburg. Dieselben Gesichter – man scherzt man habe sich lange nicht mehr gesehen… ein Knaller. Man greift sich den einen oder anderen kostenlosen Energy-Drink ab, richtig wach ist man eh nicht, und postiert sich im Vortragsraum möglichst nah zur Tür – dasselbe Unternehmen aus Hamburg stellt sich vor und prognostiziert für sich selbst die erste Millionen Nutzer bis Ende des Jahres. Ein exorbitant steigender Chart verdeutlicht die Entwicklung zusätzlich.

Raus auf den Flur – eh der Grund fürs Kommen. Man will socializen, neue Gründer kennen lernen, sich mit alten Bekannten austauschen, Probleme diskutieren. Fast alles davon geht nur hinter verschlossener Hand. Das ist nicht der richtige Ort um über Probleme zu reden, jemand Falsches könnte ja mithören.

Eine lange Fahrt später zurück an den Computer – die Afterparty bewußt ausgelassen. Man will lieber noch etwas arbeiten, man fühlt sich faul. Die PR-Agentur hat geschrieben: Neue Clippings im Anhang! Clippings, das ist gut. Eine Frauenzeitschrift mittlerer Auflage hat uns in der Rubrik „Webseite der Woche“ aufgeführt. Da ist es wieder… das Lächeln.

Man überprüft noch schnell seine Tagesstatistiken – ein Anstieg in den Besucherzahlen und Registrierungen – Der Artikel hat sich gelohnt. Danach sofort das Web bereisen. Wie sieht es mit Alexa aus? Immer noch zu klein… Google? Huch, neuer Pagerank von 4?! Gleichzeitig der Toptreffer bei „Damenschuhe tauschen“ oder „Sandalen tauschen“. Eine immense Energie wird wieder in einem frei, die negative Kritik der letzten Tage – wie vergessen.

Auf einmal wird wieder schlagartig bewusst, warum man alles tut: Für das Mitfiebern, die Höhen und Tiefen, die Kritik, das Lob, die Missgunst, die Bewunderung, die ständige Disziplin, die angestrengte Kreativität, den Schlafmangel, den Kaffee, das Bangen um die nächsten Zahlen… Man tut all das für eine Erfahrung, die einem Niemand nehmen kann. Man tut es für die Verwirklichung der eigenen Idee, für seine eigene Naivität und für die innere Befriedigung Teil von etwas Bedeutungsvollem zu sein… und man tut es auch ein wenig für sich selbst. So stellt man sich auch morgen erneut der Herausforderung.

Ja, es war ein hartes Jahr…. Es war gut!